Felix Philipp Ingold
Die Blindgängerin. Erzählung
ISBN: 978-3-85415-581-2
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264 Seiten, zahlr. Abb., Hartband, erschienen 2018
Der Erzähler lässt den Journalisten Simon Goldin zu Beginn von Glasnost und Perestroika in die UdSSR reisen, um nach Lebenszeugnissen deutscher Kommunisten in den 1930er Jahren zu suchen. Seine russlanddeutsche, nach einem Unfall erblindete Übersetzerin Theodora Minzenberg ist ihm dabei behilflich. In Archiven stoßen die beiden auf einen Feuilletonisten namens Raimar Rilke, der einst – aus eher sentimentalen denn politischen Gründen – in die stalinistische Sowjetunion emigriert ist. Als unbedarfter Wiedergänger des Dichters Rainer Maria Rilke, der bereits um 1900 an denselben Orten zugange war, fällt Raimar Rilke einer ebenso abstrusen wie tragischen „Säuberungsaktion“ zum Opfer. In dreifacher zeitlicher Überblendung – 1900, 1930, 1990 – treten Goldin und Rilke in ein ingeniöses Wechselspiel der Identitäten, das Privates und Zeitgeschichtliches, Fiktives und Dokumentarisches immer wieder anders zusammenführt. Die durch eine selbständige Bilderstrecke ergänzte Erzählung findet in Basel ihr offenes Ende. – Felix Philipp Ingolds Prosastil, der kolloquiale Eleganz und poetische Wucht kontrastierend vereint, erweitert unser Sensorium auf unterschiedliche, ja gegensätzliche Wahrnehmungssphären: So wie die „Blindgängerin“ dem Sehenden eine neue Form der Perzeption und des Beschreibens eröffnet, lässt die grelle Düsternis der ausgebreiteten „Fake-History“ blinde Flecken im heutigen Durchschnittsbewusstsein aufscheinen. Ein fulminantes Spiel mit der Plurivalenz von Fakt und Fantasie.
«Die Blindgängerin» ist ein fein gebautes hermeneutisches Spiegelkabinett, das sehend machen kann. (Paul Jandl, NZZ, 24.11.2018)
Die Erzählsituation wird gemeinsam mit dem Leser in Frage gestellt. Erzähl-beruhigende und -aufwühlende Hinweise halten sich die Waage. (…) Die Blindgängerin ist eine hochkomplizierte, vergnügliche Geschichte über den simplen Sachverhalt, dass alles nur ein Stück Imagination ist. (Helmuth Schönauer, 18.11.2018)
Felix Philipp Ingold
* 1942 in Basel (CH), Schweizer Schriftsteller, Publizist, Übersetzer und Herausgeber. Er ist emeritierter Ordinarius für Kultur- und Sozialgeschichte Russlands an der Universität St. Gallen (CH).
Ab 1961 studierte Felix Philipp Ingold Geschichte, Kunstgeschichte, Philosophie und Theologie der Ostkirche an der Universität Basel, 1968 zum Dr. Phil. promoviert.
Er war externer Mitarbeiter beim Schweizer Radio im Kulturstudio Basel und schrieb für die Baseler Nachrichten und die National-Zeitung.
Seit 1968 zahlreiche Auslandsaufenthalte als Reporter und Korrespondent, 1 1/2 Jahre war Ingold Mitarbeiter der Schweizer Botschaft in Moskau, Presseattaché und Übersetzer.
Externer Kulturkorrespondent für zahlreiche Zeitungen in der Schweiz, Deutschland und Österreich.
Seit 1971 war Ingold als ausserordentlicher Professor, ab 1978 bis zur Emeritierung 2005 als ordentlicher Professor für Kultur- und Sozialgeschichte Russlands an der Universität St. Gallen tätig und lehrte als Dozent an der ETH Zürich.
Felix Philipp Ingold lebt in Zürich.
Foto: ©Thomas Burla
Bisher erschienene Titel im Ritter Verlag:
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Fortschrift. Ein Gedicht in fünfzehn Würfen
80 Seiten, brosch., erschienen 2016,
mit einem Nachwort von Magnus Wieland
ISBN: 978-3-85415-548-5
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Niemals keine Nachtmusik
104 Seiten, brosch., mit CD, erschienen 2017
ISBN: 978-3-85415-557-7
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Die Blindgängerin. Erzählung
264 Seiten, zahlr. Abb., Hartband, erschienen 2018
ISBN: 978-3-85415-581-2
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Körperblicke
232 Seiten, zahlr. Abb., Hartband, erschienen 2019
ISBN: 978-3-85415-592-8
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Endnoten. Versprengte Lebens- und Lesespäne
568 Seiten, Hartband, erschienen 2019
ISBN: 978-3-85415-597-3
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Marina Zwetajewa – Morgen soll für übermorgen gelten. Ausgesuchte Gedichte
280 Seiten, Hartband, erschienen 2020,
herausgegeben, kommentiert und aus dem Russischen übersetzt
von Felix Philipp Ingold
ISBN: 978-3-85415-602-4
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Überzusetzen
328 Seiten, Hartband, erschienen 2021
ISBN: 978-3-85415-621-5
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Die Zeitinsel
288 Seiten, Hartband, mit zahlr. S/W-Abb., erschienen 2022
ISBN: 978-3-85415-638-3
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Denken im Abseits
400 Seiten, Hartband, zahlr. Farb- u. S/W-Abb., erschienen 2022
ISBN: 978-3-85415-644-4